Mobil sein auf Reisen – Erfahrungsbericht Fahrrad

Wir sitzen auf unseren neuen Fahrrädern und ich überlege mir so, warum wir nicht schon eher diese Idee in die Tat umgesetzt haben.

Aber beginnen wir von Anfang an…

Unsere bisherigen Reisen mit Karlchen, aber auch mit dem Mercedes-G waren mehr oder weniger Roadtrips. Man fährt, lässt sich treiben, genießt die Landschaft und den Ausblick während der Fahrt. Natürlich sind wir auch hin und wieder mal für 1 – 2 Tage irgendwo an einem Platz gestanden, aber in der Regel waren wir immer „auf Achse“. Diese Art von Reisen bringt eine gewisse Ruhelosigkeit mit sich; Ja man könnte auch von „gehetzt“ sprechen. Nicht, dass diese Roadtrips nicht schön wären, aber an einem Platz für längere Zeit zu stehen und die nähere Umgebung im Detail zu erkunden wäre eben auch nicht schlecht. Wanderungen sind, um ehrlich zu sein nicht so mein (Michael) Fall, da ich nach einigen Kilometern, aufgrund meiner etwas vorgeschädigten Füße, dann Rückenschmerzen bekomme; Vielleicht hat mir bislang auch irgendwie der richtige Impuls gefehlt. Das Leben, aber auch man selbst verändert sich und so war es vielleicht jetzt der Augenblick, der irgendwann kommen musste. Vielleicht hat auch die momentane Situation rund um Corona dazu geführt den Focus auf Bewegung vor der Tür zu lenken!?

Ich will jetzt nicht zu weit abschwenken, denn es soll ja schließlich um das Thema „Mobil auf Reisen“ gehen 😉.

Das passende Fahrrad finden

Wie bei Allem gilt: Es muss der beste Kompromiss gefunden werden und den entscheidet jeder für sich selbst. Will man es perfekt haben, muss man mindestens 3 Räder / Person mitnehmen.

Für uns standen hier folgende Punkte im Vordergrund:

  • Die Räder müssen in der Heckgarage Platz finden, damit sie nicht Wind und Wetter ausgesetzt sind und vor Diebstahl geschützt sind.
  • Es müssen E-bikessein, um auch längere Touren in unterschiedlichem Terrain machen zu können. (Wer ehrlich zu sich selbst und kein Radprofi ist sollte sich eine gewisse Bequemlichkeit eingestehen und wissen, dass es keinen Spaß macht gegen 50km/h Wind von vorne abzustrampeln. Schnell wird der Traum zum Alptraum und die „Dinger“ bleiben stehen)
  • Es müssen Räder sein, die sich auf allen Untergründen gut fahren lassen.

Soweit also die Theorie und das Lastenheft. Kommen wir jetzt zu Praxis!

Die erste Recherche findet im Internet statt. Wir denken zunächst an Klappräder, da diese offensichtlich gut in der Heckgarage zu verstauen sind. Klappräder gibt es viele auf dem Markt. Sucht man nach Klapprädern als E-bike wird die Auswahl schon etwas kleiner. Dafür haben die Preise dann ein exponentielles Wachstum, was uns etwas die Sprache verschlägt…wir suchen also nach weiteren Alternativen. Dabei landen wir schnell bei Rädern mit der Reifengröße 20“. Auch hier ist das Angebot vielfältig. Billig ist anders, aber die Räder sind nach ersten Recherchen etwas günstiger als die E-Klappräder. Für uns sieht jedoch alles irgendwie gleich aus. Bosch Motor, Shimano Schaltung und eine Bremse von Magura…das Ganze an einen Rahmen gebastelt und fertig ist das bike! Ist das wirklich so? NEIN, ist es nicht!

Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad

Nach einigen Recherchen im Internet beschließen wir den praktischen Test zu machen. Passen die 20“ Räder, die nicht zum Klappen sind, tatsächlich in die Heckgarage? Wie lassen sie sich einladen und vor Allem: Wie fährt sich so ein Rad? Wir telefonieren mit dem ersten Händler und vereinbaren einen Termin zur „Probefahrt“ und Beratung. Die Probefahrt findet dann auch tatsächlich statt, die Beratung eher nicht. Es ist ein etwas größerer Händler, den wir ausgewählt haben, da er diverse Räder vorrätig hat. Das Angebot ist großartig, aber die Qualität der Beratung lässt zu wünschen übrig. Nicht, dass der junge Herr nicht nett wäre, oder sich zu wenig Mühe gibt, aber er kann uns eben nur aus dem Prospekt vorlesen…so ist das, wenn immer alles billig sein muss (und auch die Arbeitskräfte). Nach 45min verlassen wir das Geschäft und sind um 2 Erfahrungen reicher:

  • Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad
  • Suche dir beim Fahrradkauf einen kompetenten kleinen Händler

Wir recherchieren weiter im Internet und stoßen auf den „kleinen Fahrradladen“ und ein interessantes Rad, was wir auch noch nicht bei dem großen Händler gefahren haben. Also wieder ins Auto gesetzt und los geht’s zur zweiten Probefahrt.

Hier verläuft alles völlig anders. Der Besitzer des Geschäfts berät uns persönlich. Seine Kompetenz und die Liebe zum Rad muss er uns nicht verkaufen; Er hat sie einfach, und das spürt man nach wenigen Minuten. Wir schildern ihm unsere Kriterien und kurz danach sitzt zunächst Marina auf dem ersten Rad und bricht zur Probefahrt auf. Mit einem Strahlen im Gesicht kommt sie wieder mit den Worten: Fahr du mal! Gesagt, getan und auch ich komme nach wenigen Minuten mit denselben Strahlen wieder zurück. Ist das möglich, dass sich Räder mit den gleichen Komponenten so derart unterschiedlich anfühlen können?

Die Antwort lautet eindeutig: JA! Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad!

Noch verrückter wird es, als wir den gleichen Rahmen mit unterschiedlichen Motoren, Schaltungen, Bremsen, Sätteln und Reifen fahren. Wir hätten nie gedacht, dass man ein Rad so unterschiedlich empfinden kann und sind umso glücklicher, jetzt einen kompetenten Händler gefunden zu haben.

Marina ist „schock verliebt“ und will gar nicht mehr absteigen von „ihrem“ neuen Rad; Dabei ist es ja noch gar nicht ihres 😉.

Der Preis ist heiß

Wie man weiß kommt nach jedem „Hoch“ auch wieder ein „Tief“. Nach dem „Hoch“ der Probefahrt kommt nun das „Tief“ der Preisgestaltung. Also vorab: Günstig ist anders und ich muss sagen, dass ich die Preise bei aller Qualität für komplett überzogen halte. Kauft man ein E-bike im hohen Preissegment zahlt man annähernd die Hälfte wie für ein neues Auto.

Ja genau: E-bike ~4.000,-€ <> Dacia Logan ~ 8.200, -€

Dacia Logan ~ 8.200, -€

Nach vielem Abwägen entscheiden wir uns für die „günstigste“ Variante des I:SY Rades, was in unseren Augen trotzdem alles mitbringt, was unsere vorher aufgestellten Kriterien anging.

Wir reservieren das Rad und vereinbaren den zweiten Termin, wo wir mit „Karlchen“ kommen wollen, um zu versuchen das Rad in die Heckgarage einzuladen. Am nächsten Tag stehen wir wieder auf der Matte und starten den Versuch, der dann „leider“ auch noch funktioniert. Das Rad lässt sich super einladen und es passt auch noch ein zweites Rad daneben. Das hat zur Folge, dass ich nicht nur einen halben, sondern einen ganzen Dacia kaufen muss…aber das ist ein anderes Thema, um das es hier ja nicht gehen soll. (An dieser Stelle einen ganz lieben Dank an unseren Sponsor, der hier nicht öffentlich erwähnt werden möchte, 😊 und in der Zwischenzeit auch stolzer Besitzer eines roten I:SY ist)

Fahrbericht und die Technik im Detail

Wir können nun 3 verschiedene Modelle miteinander vergleichen, die alle etwas anders ausgestattet sind. Fazit: Alle drei Räder sind mega, aber es gibt Unterschiede!

Wir gehen an dieser Stelle auf die folgenden 3 Modelle ein:

i:SY DrivE S8

i:SY DrivE N3.8 ZR

i:SY DrivE XXL N3.8 ZR

Aber wo genau liegen die Unterschiede?

 I:SY DriveE S8I:SY DriveE N3.8 ZRI:SY DriveE XXL N3.8 ZR
RahmenAlu 7005 Compact BOSCHAlu 7005 Compact BOSCH Disc für RiemenantriebAlu 7005 Compact XXL BOSCH Disc für Riemenantrieb
GabelAlu 7005 Disc Alu 7005 XXL Disc
MotorBOSCH „Active“ 36V / 250WBOSCH „Performance“ 36V / 250W 
SchaltungSHIMANO „Nexus“ 8-Gang, PremiumENVIOLO „TR“, stufenlos 
AntriebZahnriemen G A T E S „CDX“ Centertrack  
BatterieLithium-Ionen 11,11Ah / 400WhLithium-Ionen 13,8Ah / 500Wh 
DisplayBOSCH „Intuvia“ Multifunktion  
LaufräderRYDE „Andra 40 Disc“, Niro-Speichen  
ReifenSCHWALBE „Big Ben Plus“, 55-406SCHWALBE Super-Moto-X, 62-406 
BremseMAGURA „HS22“, hydraulischSHIMANO „BR-T445“, hydraulische Scheibenbremse 
LenkerERGOTEC „Lady Town Exclusive“  
VorbauERGOTEC „Piranha 650B“ 70mm, SPEEDLIFTER „Twist T14“ 140mmERGOTEC „Piranha 650B“ 70mm, SPEEDLIFTER „Twist T17“ 170mmERGOTEC „Piranha 650B“ 70mm, SPEEDLIFTER „Twist T22“ 220mm
SattelstützeCONTEC „Brut“ 400mm  
SattelSELLE ROYAL „Nuvola“  
ScheinwerferB&M „Lumotec Eyc“ LED-Scheinwerfer  
RücklichtB&M Rücklicht im Gepäckträger integriert  
GepäckträgerRACKTIME „Shine-It Evo i:SY“ RACKTIME „Shine-It Evo i:SY“, i:SY Fix Front-Gepäckträger
Zulässiges Gesamtgewicht140kg 180kg

Zunächst gibt es 2 verschiedene Rahmen. Der Std. Rahmen ist für Personen bis 190cm gedacht, während der XXL-Rahmen für Personen bis 210cm geeignet ist und gleichzeitig auch bis 180kg statt mit 140kg belastet werden kann. Vom Packmaß ist der XXL-Rahmen unwesentlich größer. Ein weiterer Vorteil beim XXL liegt allerdings auch darin, dass die Lenkstange mit 220mm ausgefahren werden kann, was der Aufrechten Sitzposition sehr zugute kommt. Das war der Grund, warum ich mich für das XXL entschieden habe! Aber auch beim N3.8 lässt sich die Lenkstange schon 30mm mehr ausfahren.

Ein sehr großer Unterschied liegt im Motor. Der Bosch „Active“ beim S8 lässt sich super fahren und ist für den normalen Gebrauch voll geeignet. Sobald es jedoch extremer wird, zeigen sich die Stärken des Bosch „Performance“ Motors. Ein Blick auf die Tabelle lässt bereits erahnen, wie sich die beiden Motoren unterscheiden. Fährt man sie, weiß man wie sich die Unterschiede anfühlen. Der Turbo Modus beim „Performance“ ist eine Sensation und katapultiert den Piloten nur so den Berg hinauf und das sogar auf losem und schlechtem Untergrund.

Der Performance Motor wird nur mit Zahnriemenantrieb angeboten, während das S8 mit dem Active Motor eine Kette hat, die allerdings umlaufend geschützt in einem Gehäuse läuft. Einen Nachteil an der Kette konnten wir bislang nicht entdecken.  

Zu beachten ist allerdings, dass beide N3.8 Räder mit den breiteren Super-Moto-X Rädern ausgestattet sind, die deutlich schlechter abrollen, dafür aber im Gelände ihre Vorteile zeigen. Aufgrund des breiteren Reifens ist das Rollverhalten schlechter und es bedarf eines kräftigeren Motors!

Der Unterschied zwischen der Felgenbremse und der Scheibenbremse ist in unseren Augen sehr gering und auch Geschmacksache. Mir persönlich gefällt die Felgenbremse sogar besser. Auch die Bremswirkung und Dosierbarkeit ist meiner Ansicht nach bei der Felgenbremse besser. Vielleicht bedarf es noch mehr Kilometern, bis man ein wirkliches Fazit ziehen kann!?

Ein weiterer Unterschied ist die Schaltung. Während das S8 mit einer 8-Gang Nabenschaltung ausgestattet ist, schaltet man an den N3.8 Modellen stufenlos. Zu Anfang ist es etwas anders, weil man den Gang nicht mehr als Zahl ablesen kann…geht ja auch nicht, weil es ja eben stufenlos ist und es somit auch keine Gänge mehr gibt. Der Vorteil der Schaltung besteht aber gerade darin! So passiert es eben nicht mehr, dass der Gang nicht richtig eingelegt ist und hakt. Es muss auch nichts mehr aufwändig eingestellt werden, sondern es funktioniert einfach! Beim Betrieb auf der Straße fällt das nicht auf, aber in unwegsamen Geländen und bei Steigungen lässt sich ohne Unterbrechung des Antriebs schalten, was wirklich sehr gut ist.

Der größere Akku beim N3.8 ist dem Bosch Performance Motor geschuldet, der einfach mehr verbraucht und somit einen größeren Akku benötigt. Im Verbrauch scheint das S8 geringer zu sein, weil die schmaleren Reifen einfach weniger Rollwiederstand haben, womit sich auch die Reichweite erhöht.

Zum Thema Reichweite können wir noch nicht viel sagen. Derzeit liegen wir bei ca. 100km mit einer Akkuladung, allerdings sind wir dabei ca. 70km im Wald und auf losem Untergrund unterwegs gewesen. Die Reichweite wird auf der Straße also deutlich steigern. Der Hersteller gibt hier Reichweiten von bis zu 170km an, die ich für realistisch halte.

Ein erstes Fazit:

Die Entscheidung in Zukunft auf unseren Reisen auch an einem Standort mobil zu sein war goldrichtig. Wir können in Zukunft viel mehr vor Ort entdecken und erleben, weil wir mit den kleinen und wendigen Rädern überall dort hinkommen, wo für Karlchen bislang Schluss war. Der Bosch Performance Motor ist ein „Muss“. Auch wenn er teuer ist, so erweitert er den Einsatzbereich enorm. Die Räder sollten so breit und robust wie möglich sein, um auch in unwegsamen Geländen sicher und komfortabel unterwegs sein zu können.

Egal für welche Räder ihr euch entscheidet: Sucht euch einen kleinen Laden mit kompetenter Beratung und am besten leiht ihr euch die Räder vor dem Kauf mal für eine 20km Tour aus. Erst dann stellt man die Unterschiede wirklich fest. So gibt es dann hoffentlich nicht später ein teures Erwachen.

Wir freuen uns in jedem Fall schon riesig die neuen Räder auf unserer ersten Reise nach der Corona-Zeit ausgiebig einzusetzen.

Bilder der Junfernfahrt

Hier gibt’s ein kleines Video zur Jungfernfahrt!

https://youtu.be/Ix9BOx6psr8

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.