Plage Blanche

Endlich ist es soweit: Wir fahren den Plage Blanche. Bereits bei unserer ersten Marokko Reise hatten wir die Fahrt geplant, dann aber den richtigen Einstieg nicht gefunden. In 2018 wollten wir den zweiten Anlauf starten, mussten diesen aber aus Zeitgründen verwerfen. Nun sollte es endlich klappen! Die richtige Route hatten wir, eine Portion mehr Erfahrung im Gepäck…was sollte also schief gehen…wenn da nur der Dacia nicht wäre, der noch ein gewisses Potential mitbrachte die Mission zum Scheitern zu bringen! Immerhin hatten wir davon gelesen, dass der Sand nicht leicht zu befahren wäre und nur wirklich sehr geländegängigen Fahrzeugen vorbehalten ist. Marina führte am Morgen noch ein Video vor, wo ein Jeep zum Opfer der Wellen wurde, weil er sich festgefahren hatte und dann Opfer der Flut wurde.

Naja, unser Timing war perfekt und die berechnete Ankunftszeit auf Wasser Höchststand ausgelegt war. Was sollte also passieren…

Bis zum Plage Blanche mussten wir jedoch zunächst mal ca. 50km Piste unterschiedlichster Art zurücklegen. Für die Besetzung von „Karlchen“ bedeutet das : Piste = Ibuprophen

steinige Piste
steile Passage

Wir wurden ml wieder ordentlich durchgeschaukelt. Für mich ist das nicht ganz so schlimm, da meistens ich am Steuer sitze und mich dort festhalten kann. Für Marina sieht das schon anders aus und gleicht dem Ritt auf einem Rodeo Stier. Ja ich denke, nach einer Marokko Reise kann sie den Cowboys in Amerika Konkurrenz machen. Egal, wir hüpfen mit 10 km/h so durch die Landschaft und machen uns bei jeder kleinen Erholung Mut, dass das Schlimmste bestimmt jetzt überstanden sei…

Doch was macht unser kleiner Freund im Rückspiegel? In der Zwischenzeit blicken wir schon fast neidisch in den Rückspiegel. Das kleine schwarze Etwas, lässt sich weder abhängen, noch machen die Insassen einen angestrengten Eindruck. Man könnte in den Gesichtern von Karl und Charline sogar etwas Mitleid sehen…gilt das etwas uns? Also, nach vorne schauen lautet die Devise und keine Schwäche zeigen.

Dacia am Berg

Und dann endlich nach ca. 2h Fahrt erreichen wir das Wasser! Es offenbart sich uns ein sagenhafter Ausblick auf den Atlantik. Aber wo ist der Plage Blanche und wo ist der Sand? Waren wir doch wieder falsch gefahren und hatten die Strapazen umsonst auf uns genommen? Nein, hatten wir nicht; Wir hatten lediglich den „frühen“ Einstieg genommen, der sicherlich wunderbare Ausblicke auf die Landschaft mit sich brachte, aber eben auch eine etwas holprige Piste…Bis zum Plage Blanche durften wir jetzt noch weitere 2h fahren und die Pistenverhältnisse wurden nicht besser.

Steilküste
Atlantik

Würden wir die Strecke noch einmal fahren, oder aber von Jemandem um einen Rat gefragt, wir würden von dieser Strecke eher abraten…es sei denn, man fährt Dacia! Spaß beiseite, kleine Geländewagen haben es hier denke ich einfacher. Für größere LKW ist es wirklich nicht schön zu fahren.

Aber auch die nächsten 2h vergehen dann wie im Flug und auf einmal wird es immer sandiger…und da ist er: Der berühmte „Weiße Strand“. Es gibt noch eine etwas enge und steile Abfahrt, die für LKW nicht ganz so einfach zu fahren ist und dann fährt man durch eine Art Qued auf den Strand. Begleitet werden wir von 3 weißen Hunden, die mit Tempo 50km/h neben uns herlaufen und wild kläffen…eine nette Begrüßung.

Einfahrt zum Plage Blanche

Nun heißt es alle Maßnahmen zu ergreifen, um sich nicht fest zu fahren und womöglich ein Opfer der Fluten zu werden. Ich empfehle Karl den Luftdruck von seinen Sommerreifen auf 1.8bar abzulassen und dann mal eine Proberunde im Sand zu drehen. Gesagt getan, der Dacia fährt eine Proberunde, die unspektakulärer nicht sein könnte. Dieses Gefährt zeigt doch einfach keine Schwächen…nein, eben überhaupt keine Schwäche!

einfach fahren und Spaß haben

Der fährt einfach los, als wenn es eine asphaltierte Straße wäre…ich verstehe die Welt nicht mehr! Warum kaufen sich Leute für mehr als 100.000€ Geländewagen, Seilwinden, Klappspaten und Sandbretter, wenn diese kleine Kiste für 17.000€ mit Sommerreifen bislang jede Disziplin mit Bravour gemeistert hat? Naja, die Reise ist noch nicht zu Ende, aber wenn das so bleibt, dann werde ich einen Bericht an Dacia schreiben und sie für diese Wunderkarre loben…Zähne knirschend versteht sich!

Luft ablassen
Spur im Sand

Nun bin ich an der Reihe: Luftdruck ablassen auf 2bar, Untersetzung rein und dann drehe auch ich mal eine Proberunde. Zu gespannt bin ich auf das Verhalten der neuen Reifen auf Sand. Zu allem Überfluss hatte es vorher auch noch geregnet, was Sandfahrten nicht einfacher macht. Aber auch „Karlchen“ überrascht mit einer guten Geländegängigkeit und zeigt keine Schwäche. Mulmig ist uns trotzdem etwas, weil wir wissen, dass nun 50km Sandfahrt vor uns liegen und es keinen Weg heraus gibt. Links der Atlantik, rechts 30- 50 Meter hohe Klippen aus Sand und in der Mitte wir! „Prost – Mahlzeit“ denke ich mir und gebe Gas, während Marina immer ruhiger auf dem Beifahrersitz wird.

Der Rest ist schnell erzählt: 4.Gang mit Untersetzung bedeutet 28km/h bei 2400U/min. Karlchen hat so genug Kraft, ich lege dem Tempomat ein und wir „sausen“ über den Strand. Die Landschaft ändert sich in dieser Zeit nicht, lediglich kann man sich die Zeit damit vertreiben den angeschwemmten Plastikmüll zu begutachten und zu zählen. Ein Trauerspiel, wie viel Müll angeschwemmt wird. Im Fernsehn ist es schon schlimm, aber live ist es fürchterlich!

Einziges Highlight sind die aus Strandgut gebauten Hütten, die wir passieren. Welchen Sinn und Zweck sie erfüllen wissen wir nicht, aber sie sehen auf ihre Art wirklich schön aus.

Hütte aus Strandgut

Nach ca. 45min endet die Fahrt und wir verlassen den Plage Blanche durch ein Qued. Ursprünglich hatten wir geplant den zweiten Teil auch noch zu fahren, aber dunkle Regenwolken halten uns davon ab, denn der Ausstieg am Ende des Plage Blanche ist durchaus anspruchsvoll zu fahren und im Nassen vielleicht sogar gar nicht möglich. Achso…für den Dacia wäre das sicher kein Problem gewesen, aber für „Karlchen“ !?

Das sich der Tag auch dem Ende neigt fahren wir also auf dem direkten Weg zu unserem Ziel: Fort Bou Jerife

Um ein Haar hätte der schöne Tag dann noch eine böse Wendung nehmen können. Auf den letzten 5km setzt dann auf einmal der Regen ein, den wir vorher schon gesehen hatten und verwandelt die lehmige Piste unter uns zu einer glitschigen Bahn. Ich bin schon sehr häufig in meinem Leben auf Schnee und Eis gefahren, aber das ist nichts gegen Fahren mit einem LKW auf nassem Lehmboden. Zum Glück fährt man auf den Pisten ohnehin nicht schneller als 10km/h, was in diesem Moment sicherlich unser Glück war, denn wie aus heiterem Himmel reagierte an dem Auto nichts mehr. Lenken, Gas geben, Bremsen…keine , aber wirklich gar keine Reaktion! Es vergingen einige Sekunden, bevor ich überhaupt begriff, dass der nasse Lehm sämtlich Fahrsysteme von „Karlchen“ auf null gesetzt hatte…Es bleib mir also nur die Möglichkeit zu warten was passiert. Zum Glück ging es gerade aus und es war keine steile Böschung weit und breit zu sehen und somit passierte einfach nix. Nach einigen Metern wurde der Boden wieder steinig, „Karlchen“ bekam wieder Traktion in alle Richtungen und alles war ok.

lehmige Piste

Uns war es in jedem Fall eine Lehre, denn beim nächsten Mal werde ich unverzüglich anhalten bei einsetzendem Regen und warten, bis es wieder aufgehört hat!

Achso…unser kleine schwarzer Freund im Rückspiegel fuhr zwar nicht mit mehr Traktion als wir, bewältigte die Situation aber auch meisterhaft.

Erschöpft und glücklich alles überstanden zu haben kommen wir in Bou Jerife an, essen Tanjine mit Kamel und fallen mehr als müde ins Bett!

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