Die neue Trocken-Trenn-Toilette (TTT)

18 Monate haben wir uns nun bereits über unsere Chemietoilette geärgert und finden: Das reicht!

Als wir „Karlchen“ gebaut haben musste damals alles schnell gehen und als es um die Wahl der Toilette ging, kannten wir Trocken-Trenn-Toiletten gar nicht. Dem entsprechend gab es für uns keine Alternative zu einer Chemietoilette. Guten Gewissens, bzw. unwissend reisten wir also fortan durch die Lande im Glauben alles richtig gemacht zu haben. Der üble Gestank, den diese Toiletten verbreiten gehört zum Camperleben eben dazu!

In diesem Glauben blieben wir, bis wir über den ersten YouTube Bericht einer Trocken-Trenn-Toilette stolperten. Unser Erstauen war groß; Wie, man kann eine Toilette haben, die ohne Spülung funktioniert und nicht riecht? Unmöglich….

Seltsam, auf einmal stolperten wir über eine TTT nach der anderen. Es schien, als wenn alle Offroadmobile eine TTT haben, nur wir nicht!?

Doch unsere Zweifel blieben bestehen, ob es wirklich alles komplett geruchsfrei zugeht, oder ob sich die anderen Besitzer den „Gestank“ nur schön redeten, um nicht zuzugeben eine Fehlinvestition getätigt zu haben. Im Februar 2018 trafen wir dann Michael und Sabine von Hermann unterwegs in Lagos. Die beiden nutzten eine TTT bereits seit Jahren und wir konnten uns vor Ort live vom Geruch überzeugen. Natürlich haben wir unsere Nasen nicht direkt in ihre mit Sägespänen bedeckten Exkremente gesteckt, aber der kurze Eindruck war geruchsfrei.

Es vergingen weitere Monate des Kampfes mit dem Geruch, bis wir uns nun endlich dazu entschlossen haben ebenso eine TTT zu verbauen. Grund des finalen Anstoßes waren Peggy und Michael von „Santego“. Die beiden hatten wir ehemals beim Bau ihres Mobils davon überzeugt eine TTT zu verbauen. (Auch lustig, wenn man sich überlegt, dass wir sie überzeugen konnten, ohne dass wir jeh eine Erfahrung damit gemacht hatten).

Die 3 waren 3 Wochen unterwegs und berichteten danach ausführlich von ihren Erfahrungen mit der „Airhead Kompostiertoilette“. Das Fazit war sehr positiv: Minimaler Geruch und maximaler Komfort. Sie hatten den Feststoffbehälter nicht einmal lehren müssen und den Flüssigkeitsbehälter ca. alle 3 Tage. Genügend Argumente nun endlich die Umrüstung selbst in Angriff zu nehmen. 3 Tage später stand die Airhead bei uns und weitere 2h später war die alte Toilette ausgebaut und die neue Airhead installiert.

Hier stand die alte Thetford Toilette
Die Airhead Komostiertoilette steht an ihrem Platz

Der Einbau ist sensationell schnell und einfach zu tätigen. Es werden lediglich 4 Aufnahmen aus Edelstahl im Boden verschraubt, die Schläuche und die Kurbel installiert und schon ist sie einsatzbereit. Natürlich mussten wir noch ein Loch für die Entlüftung durch die Bodenplatte bohren, was aber einfach und schnell geht. Anschließend haben wir ein Aluminiumrohr eingesetzt und mit Sika verklebt. Lüfter an 12V anschließen und fertig.

Im nächsten Schritt wird der Humus Ziegel mit ca. 2 Liter Wasser angesetzt, aber auch das dauert nur 10 Minuten. Jetzt ist die Toilette einsatzbereit.

Der Humusziegel quillt langsam auf.

Eine Woche später haben wir nun unsere ersten Erfahrungen gesammelt. Alles ist denkbar einfach, nur etwas seltsam, dass man nach seinem „Geschäft“ keine Spülung mehr betätigt…man denkt, es fehlt etwas.

Die anfängliche Euphorie wird jedoch nach einigen Tagen etwas gebremst, als unsere empfindlichen Nasen dann doch einen Geruch wahrnehmen, der unangenehm ist. Zwar ist dieser nicht vergleichbar mit dem der Chemietoilette, aber er ist auch nicht zu ignorieren. Speziell der Geruch aus dem Lüftungsrohr außen ist sehr unangenehm, zumal dieses Rohr in der Nähe des Ansaugrohrs unserer Standheizung liegt. Es kommen erste Zweifel auf…

Wir wollen uns jedoch nicht geschlagen geben und überlegen, wie man auch den letzten unangenehmen Geruch beseitigen kann. Wir starten die „Fehleranalyse“:

1.) Vermutlich haben wir den Humusziegel mit zu viel Wasser angesetzt!?

2.) Der original gelieferte Lüfter ist zu schwach ausgelegt

3.) Es tritt Fahrtwind in den Abluftkanal ein, der dann die Luft nach Innen drückt.

Lösung Problem 1: Wir setzen den Humusziegel wieder mit ca. 2 Liter Wasser an in einem großen Eurobehälter und stellen diesen einen Tag lang in die Sonne. Der Effekt ist enorm. Die Feuchtigkeit ist nahezu verdunstet und das Streu ist trocken und leicht und somit in der Lage die Feuchtigkeit der Feststoffe aufzunehmen (was ja der Sinn des Ganzen ist)

Lösung Problem 2&3: Wir verbauen ein SOG System mit Kohlefilter und einem Lüfter, der zwar schneller dreht, aber aufgrund des kleineren Schlauchdurchmessers (vorher 40mm bei Aithead, jetzt 28mm bei SOG)

SOG II Lüfter und Kohlefilter
Anstatt der üblichen Chemie Cassette ist das System nun an der Airhead angeschlossen. Der Aufnahmeflansch passt 100% in die Airhead. Lediglich müssen 2 kleine Nasen am Flansch abgefeilt werden, was in 1min getan ist.

Das Ganze sieht dann im eingebauten Zustand so aus:

Der Schlauch kann am Flansch direkt einfach abgezogen werden, wenn die Toilette geleert wird
Der Kohlefilter mit dem schwarzen Schlauch ist die Entlüftung nach Draußen mit dem Ventilator. Der Graue Schlauch ist der originale Schlauch, durch den nun die Luft ebenfalls durch einen Kohlefilter angesaugt wird. Dies ist zunächst immrovisiert, da der Flansch nicht passt.

Wir nutzen dieses Setup nun seit 2 Wochen bei Außentemperaturen von über 30°C und das Ergebnis ist sensationell! Nun kann man wirklich von Geruchlosigkeit sprechen. Dadurch, dass auch am Ansaugtrakt eine Kohlefilter verbaut ist, wird auch der evtl. eintretende Fahrtwind „gefiltert“ und neutralisiert. Bei unserer Rückkehr aus Albanien werden wir einen Flansch konstruieren und im 3D Druckverfahren fertigen, damit auch dieser Kohlefilter auf den großen Schlauchdurchmesser passt!

FAZIT:

Wir sind glücklich und würden die Toilette nie wieder hergeben wollen, weil es einfach sooooo einfach ist!

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