Die Rückreise (Alpen Teil 4)

Der Plan war eigentlich nach Garmisch aufzubrechen, aber dann kommt uns am Morgen bei einem Blick auf die Landkarte noch die Idee nach Sölden zu fahren, was nur ca. 70 Kilometer von Pettneu entfernt liegt. In jungen Jahren war ich schon selbst in Sölden, kann mich allerdings überhaupt nicht daran erinnern…also genau der richtige Augenblick, um die Erinnerungen aufzufrischen. Dazu kommt noch, dass es quasi der Ursprung meines Seins ist, denn meine Eltern haben sich hier in Sölden kennengelernt.

Wir geben die Strecke ins Navi ein und starten bei „Kaiserwetter“ den Kurztrip. Es führt uns zunächst in Richtung Osten, bevor wir dann in das Ötztal in Richtung Sölden abbiegen. Bei Sonnenschein und reichlich Schnee sind die Alpen einfach unvergleichlich schön und es macht Spaß, einfach nur zu fahren und die Kulisse auf sich wirken zu lassen…

Marina hat schon mit dem Campingplatz „Camping Sölden“ telefoniert und wir haben Glück, dass noch einige Plätze frei sind. Es ist im Übrigen der teuerste Platz, den wir auf der ganzen Reise gehabt haben. Mit 53,-€ / Nacht ohne Strom, ist das schon wirklich happig. Leider gibt es keine Alternative und das „freie“ Stehen ist untersagt. Natürlich denkt man bei diesen Preisen nochmals darüber nach, aber wir wollen es vermeiden, wie schon in St. Anton, mitten in der Nacht geweckt und verscheucht zu werden. Auf der anderen Seite stellen wir uns auch vor wie es wäre, wenn hunderte von Wohnmobilen die Landschaft überall „verzieren“ würden…schön sähe das nicht aus. Also beißen wir in den „sauren Apfel“ und bezahlen…

Die Anlage ist jedoch ihr Geld wert. Alle Räumlichkeiten sind sauber und aufgeräumt. Es gibt tolle Duschen und einen Saunabereich. Skiläufer können den Skikeller für ihre Ausrüstung nutzen. Vergleicht man also dieses Angebot und den Preis mit einem Doppelzimmerpreis eines Hotel, oder einer Pension, dann ist ein WoMo Urlaub im Schnee immer noch deutlich günstiger!

Sölden kann uns jedoch nicht vom Hocker reißen. Sicherlich ist das Skigebiet schneesicher und gut ausgebaut, der Ort allerdings hat nichts Besonderes oder Individuelles, wie es beispielsweise Zermatt gehabt hat. Ich nutze den Rest des Tages um an meinen Berichten zu arbeiten und Marina macht „Kassensturz“ und dokumentiert unsere Ausgaben.

Kassensturz

…und irgendwie geht der Tag dann auch schnell zu Ende. Bevor wir jedoch endgültig zur Nachtruhe übergehen schauen wir noch einen Film. Ich hatte extra vor unserer Abfahrt 170 Filme, die ich im Fernsehn aufgenommen hatte auf einer Festplatte gespeichert, weil wir uns das für die vielen Abende ganz nett vorgestellt hatten den ein oder anderen davon zu schauen. Es sollte der erste und letzte Film sein, den wir uns angesehen haben. Das spricht eindeutig für einen tollen Urlaub, wenn man 4 Wochen spielend auf TV verzichten kann und man am Ende gar nicht merkt, dass etwas gefehlt hat. Martin und Teresa (die beiden Gesichter hinter Herr Lehmanns WeltReiseLebensGeschichten ) haben ihren neusten Film [Auf der anderen Seite des Fernsehers] genannt. Ein sehr guter Filmtitel wie ich finden…für uns war es eben genauso, wir haben die Geschichten erlebt und geschrieben, anstatt sie zu lesen (oder anzusehen). Aber dazu vielleicht später in einem gesonderten Bericht mehr…

Am nächsten Morgen holt Marina vom Bäcker Brötchen (sehr zu meiner Freude). Marina steht zwar mehr als ungern morgens auf, weil sie immer fürchterlich müde ist. Umso mehr weiß ich es zu schätzen, dass sie sich jedes Mal dazu aufrafft 🙂 Ich bereite in der Zwischenzeit Tee und Kaffee vor und es folgt ein leckeres Frühstück mit Blick auf Schnee, Sonne und Berge. Das bedarf keiner weiteren Worte…

Mit einem Tag Verzögerung fahren wir am späten Vormittag weiter nach Garmisch, wo Freunde von uns Skiurlaub machen. Garmisch ist für Marina und mich ebenfalls neu. Noch während der Anreise verabreden wir uns an der Bergstation der Alpspitzbahn. Die Gondelfahrt kostet die Kleinigkeit von 27€ / Person, aber da Laufen wohl eher keine Option gewesen wäre, gibt es keine Chance an dieser Ausgabe vorbeizukommen. Für mich ist es gefühlt das erste Mal in einer Gondel ohne Ski in der Hand zu stehen. Lieber wäre es uns gewesen, wir hätten jetzt unsere Ausrüstung dabei und könnten im Anschluss einige Schwünge machen, aber das wird wohl erst im nächsten Jahr stattfinden. Der Ausblick entschädigt jedoch ein wenig…

Blick auf Garmisch

Am Abend verabreden wir uns zum Nachtrodeln an der Ehrwalder Almbahn. Das hört sich nach einem Abenteuer an und dafür sind wir natürlich immer zu haben. Wir werden von unseren Freunden abgeholt und wenig später sind die Liftkarten gekauft und die Rodel gemietet. Wir springen in die Gondel und fahren mit gespannten Blicken aus dem Fenster gen Berg. Zum Glück haben wir unsere warmen Skianzüge angezogen, den es sind frostige -13°C. In Erwartung einer kleinen Rodelbahn betrachten wir nun mit gemischten Gefühlen die tatsächliche Rodelbahn, die man zeitweilig hinter den Bäumen aus dem Gondelfenster einsehen kann. Irgendwie sieht das nach einer regulären Piste aus, die mit sanftem Flutlich ausgeleuchtet wird. Oben angekommen bestätigt sich die Vermutung…und das sieht alles ganz schön schnell aus! Beim Verleih hatte ich mich noch nach einem schnelleren Rodel erkundigt, als mir der Herr am Verleih einen eher antiquierten Schlitten in die Hand drückte und anmerkte, dass dieser schon schnell genug wäre…jetzt weiß ich, was er gemeint hatte.

Also gut, es liegt zwar 15 Jahre zurück, aber Schlittenfahren kann kein Hexenwerk sein. Ich nehme also Platz, ziehe meine Schneebrille auf (die meine Sicht bei der spärlichen Ausleuchtung nicht wirklich verbessert) und stürze mich ins Vergnügen. Nach 100 Metern kommt die erste Rechtskurve; Ich setze die rechte Hacke zum Lenken in den Schnee und hoffe, dass die Richtung sich ändert! Das tut sie auch, aber aufgrund des hohen Tempos spritzt der Schnee mit hoher Geschwindigkeit in mein Gesicht, was bei der niedrigen Temperatur ohnehin schon leicht „gestresst“ ist. Aber egal, weiter geht’s. Ich möchte jetzt nicht jedes einzelne Manöver der folgenden Fahrten beschreiben, bin aber nach gesamt 3 Fahrten mehr als glücklich, dass sich niemand die Knochen gebrochen oder Erfrierungen davon getragen hat. Das Potential dafür war definitiv reichlich vorhanden, ja ich würde sogar sagen, es war die spektakulärste und gefährlichste Situation unseres gesamten Urlaubs.

Schlittenfahren bei Nacht

Am nächsten Morgen spüren wir jeden Knochen und Muskel unseres Körpers, dessen Beine mit etlich blauen Flecken verziert sind. Die Schlittenfahrt wird uns also noch ein wenig länger in Erinnerung bleiben.

Unser Urlaub ist nun zu Ende, auch wenn uns noch ca. 1000km Fahrt bevorstehen, die wir mit 3 Zwischenstationen und Besuch bei Freunden und Familie etwas auflockern.

Es waren 4 wunderschöne Wochen mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken. Wir hatten eine grandiose Zeit in Marokko mit zwei wundervollen Menschen als Begleitern und konnten erneut Bereiche erkunden, die wir noch nicht gesehen hatten. Die Reise durch die Alpen war eine völlig neue Erfahrung, die als Erprobung von „Karlchen“ bei Kälte geplant war und zu einem unheimlich schönen Roadtrip wurde, den wir nicht missen wollen. Ganz im Gegenteil, es hat uns in der Vermutung bestätigt, dass wir unbedingt auch in die Kälte und den Schnee mit „Karlchen“ wollen.

Marokko werden wir vorerst nicht mehr bereisen, da wir nun 3 Jahre in Folge da waren. Auch wenn das Land wunderschön ist und der erste Urlaub in 2016 den Stein ins Rollen gebracht hat, so wollen wir nun neue Länder sehen. Es ist gar nicht so einfach in den Wintermonaten (die momentan einzige Zeit, die uns zur Verfügung steht) geeignete Reiseziele zu finden, aber wir haben da schon einige Ideen und vermutlich geht es 2010 eher in die Kälte des Nordens als in die Sonne des Südens. Bis dahin ist es allerdings noch eine Weile hin und wer weiß, auf was für Ideen wir noch kommen.

Die Vorfreude ist allerdings die schönste Freude und somit wird uns in den kommenden Monaten kaum langweilig. Wir werden uns wieder „von der anderen Seite des Fernsehers“ vor den Fernseher / Bildschirm begeben um zu recherchieren, zu planen und zu träumen. Für mich ist das eine ähnlich schöne Zeit, wie die Reise am Ende selbst….

Danke an alle, die diese Reise begleitet haben!

(vor und hinter dem Fernseher)

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