Kiten und ein Besuch in Korčula

Als wir unsere Reise angetreten haben war klar, dass wir uns von Tag zu Tag treiben lassen wollten, hatten allerdings das Ziel Albanien klar vor Augen. Dass wir dann alles über den Haufen werfen, hätten wir nicht gedacht.

Mit den folgenden Bildern und dem YouTube Kitekurs im Kopf, schreiten wir mutig zur Tat.

Kite am Strand
Flugeinlage
hoch über dem Wasser
Kiter und Surfer

Freundlich werden wir von Renata an der Anmeldung begrüßt. Die Kite- und Surfschule „Water-Donkey“ gleicht einem kleinen Hippiedorf. Welcher Künstler dieses Kleinod geschaffen und mit Malereien unbeschreiblich bunt und schön gestaltet hat müssen wir unbedingt noch herausfinden. Nach 2 Minuten unkomplizierter Anmeldung können wir uns nun „Kite-Schüler“ nennen…was für ein tolles Gefühl! Im nächsten Schritt lernen wir dann auch noch Bonita kennen, das Kite-Schwein der Schule 😉

Bonita heißt uns Willkommen
…und lässt sich gerne streicheln

Wir bekommen einen Termin am nächsten Tag für 9:00Uhr, wo der Kurs mit der erste Theoriestunde starten wird. Da der Wind nicht allzu stark und das Wasser recht glatt ist beschließen wir den letzten „ruhigen“ Tag um eine Bootstour nach Korčula zu bereichern. Mit dem Boot sind es ca. 3.5km, die wir in 40min zurücklegen…und ganz ohne nass zu werden.

Korčula
Unser kleines Boot im Hafen
kleine verträumte Gassen
liebevoll gestallte kleine Lädchen
Der herrliche Blick von der Stadtmauer

Nach einem halbstündigen Rundgang durch die engen Gassen dieses wunderbaren Ortes essen wir noch die wohl beste Pizza unsres Lebens und machen uns dann wieder auf dem Weg nach Hause. Auch die Rücktour verläuft problemlos, allerdings nicht folgenlos, den am Abend merken wir bereits, wie die Sonne, trotz Sonnenschutzcreme, auf uns und vor Allem auf meinen mit nicht mehr allzu viel mit Haaren bedeckten Kopf gebrannt hat. Durch den Fahrtwind war uns das auf dem Weg gar nicht so aufgefallen, doch auch Marinas Beine, die vorher der Farbe eines Ärztekittels glichen, hatten nun die Farbe eines Hummers angenommen, den man gerade in kochendes Wasser geworfen hatte. Wir ziehen uns also schnell zurück in den Schatten und salben unsere „Wunden“.

Am nächsten Tag ist der Sonnenbrand schon fast verschwunden, es stellt sich leichte Bräune ein und wir machen uns nach dem morgendlichen Schwimmen auf zur Kiteschule. Auf den 5 Minuten Fußweg begutachten wir schon mal das Wasser und den Wind. Beides hat nichts mehr von der Stille und Beschaulichkeit des Vortages! Statt dessen sehen wir bereis kleine Schaumkronen und Fahnen die straff im Wind stehen…naja…

Wir sind zu sechst im Theoriekurs und bekommen das Grundwissen vom Kite und dem Wind erklärt. Es war gut, dass wir den Einsteigerkurs auf YouTube gesehen hatten, denn so wiederholte sich alles und man verstand einfach alles besser. In der Theorie waren wir nun also Profis, als es dann jedoch hieß: Zieht euch schnell um, in 30 Minuten geht’s auf’s Wasser, sackte mein Herz dann doch etwas in die Hose…speziell als man uns sagte, dass die Bedingungen heute sehr schwierig sein (hohe Welle, viel Wind).

Na klasse, Lernen unter extremen Bedingungen, das macht Mut! Mit uns im kurz sind Anika und Maxime, ein Pärchen aus Hamburg, die uns auf Anhieb sympathisch sind. Wir werden in 2 Gruppen aufgeteilt: Die Mädels auf ein Boot, die Jungs auf das andere und los geht’s. Das Team besteht aus 2 Lehrern und 3 Schülern. Ein Leher fährt das Boot, der andere schult und hält den bereits aufgebauten Kite. Leider ging alles so schnell, dass wir von diesem Tag keine Fotos und Videos haben. Sehr schade, denn es wären herausragende Aufnahmen geworden…

Wir fahren also mit dem Motorboot an die Spitze der Meerenge, weit ab von allem Getümmel der anderen Kiter und Surfer. Daniel, ein weiterer Aspirant bekommt einen Helm der mit Funk ausgestattet ist aufgesetzt und darf an der Bootsspitze Platz nehmen. Wenig später bekommt er vom Lehrer den Kite in die Hand gedrückt, hakt den Chicken-Loop im Trapezhaken ein und sichert ihn mit dem Donkey-dick. Wenig später hält er die Bar in der Hand, mit der man den Kite steuert. Naja, theoretisch wussten wir ja bereits wie das geht, aber es ist schon komisch einen 9qm kite bei 5-6 Windstärken in der Hand zu halten, oder vielmehr mit ihm verbunden zu sein, den die Bar ist nur zum Steuern und nicht zum festhalten…das bekommen wir aber später noch zu spüren…

Jetzt heißt es „Gefühl für den Kite“ zu entwickeln. Wie bewegt er sich, wenn man was tut. Die einzelnen Schritte folgen schnell aufeinander und irgendwann unterschätzt Daniel wohl die Lage etwas, zieht an der Bar, was „power“ heißt und bekommt dieses im Bruchteil einer Sekunde direkt zu spühren, als er einen Satz von 5 Metern ins Wasser macht. Uns steht der Schrecken mal direkt ins Gesicht geschrieben, aber der Lehrer sagt, dass das immer am Anfang passiert. Toll, den Maxime ist als nächster dran. Er stellt sich etwas geschickter an und darf freiwillig ins Wasser gleiten. Mit den Erfahrungen der anderen beiden setze nun ich dem Helm auf, begebe mich zum Bug des Bootes und nehme Platz. Der gehörige Respekt und die nicht zu verbergenden bedenken, ob das alles so richtig ist was ich hier tue, weichen etwas, als ich den Kite in die Hand bekomme. Mein Vorwissen zum Wind und meine Erfahrungen mit den kleinen Lenkdrachen helfen mir etwas und ich bekomme schnell Vertrauen zum Kite. Doch nun soll auch ich ins Wasser springen mit dem Kite. Im Wasser fühlt sich schon wieder alles anders an. Hält man den Kite im Zenith ist alles easy. man spürt keinen Druck und kann ihn relativ kontrolliert im „Wind-Window“ von links nach rechts steuern. Ich beginne Vertrauen aufzubauen…

wind window

Wir machen weiter mit der Übung „Superman“. Bei dieser Übung lässt man sich vom kite über das Wasser ziehen. Diese Übung ist recht wichtig, denn wenn man mal bei einem Sturz sein Brett verliert, so kann man damit durchs Wasser gleiten und sein Brett wieder erreichen. Die Wellen machen diese Übung nicht ganz so einfach wie sie sich anhört und ich nehme die ersten Schlücke Salzwasser zu mir…aber noch ist alles gut. Nach 20min bin ich erlöst, sicher wieder an Board und kassiere ein Lob vom Lehrer. Wir rotieren wieder und die nächste Übung ist bereits mit Brett. Wie jetzt??? Wir sollen schon auf’s Brett? Hatte man uns in der Theorie nicht noch erklärt, dass wir erstmal mit den Safety-Instructions vertraut gemacht werden sollen? Naja, die wissen schon was sie tun…

Ich bin wieder an der Reihe, nachdem ich mir die kläglichen Versuche der anderen Beiden mit ansehen durfte. Einerseits ist es gut der letzte zu sein, weil man aus den Fehlern der anderen lernen kann, andererseits sieht man auch dabei zu, was einem selbst in Kürze bevorsteht.

Ich lasse das alles über mich ergehen, folge den Anweisungen per Funk des Lehrers, schnalle mein Brett an, ziehe die Bar schnell nach links und will sie dann gemäß der Instruktionen sofort wieder nach links ziehen, aber dazu kommt es gar nicht erst…die nächsten Bruchteile von Sekunden nehme ich kaum bewusst wahr. Der Kite entwickelt auf einmal eine brutale Kraft und saust von rechts nach links, um dann genau in Mitten der „Powerzone“ (senkrecht vor mir) aufs Wasser zu schlagen. Das Ganze passiert allerdings 20 Meter vom Startort entfernt, denn da hat es mich mal eben hinkatapultiert. Zur Belohnung zieht der Kite jetzt auch noch an mir, lässt mich einmal schön durch die Wellen tauchen und einen großen Schluck Salzwasser nehmen. Ich bin bedient und signalisiere dem Lehrer, dass ich es gerne bei diesem Versuch belassen würde. Nicht das ich aufgeben will, aber der Anfang ging mir eben doch etwas zu schnell. Da ich ohnehin der letzte bin fahren wir wieder zurück zum Land. Hier wird uns noch mal versichert, dass wir tatsächlich unter sehr schwierigen Bedingungen begonnen haben und es dafür sehr gut gemacht haben…was meinem mit Salzwasser gefüllten Magen allerdings wenig hilft.

Anika und Marina sind bereits 1h eher wieder am Land und haben das Ganze auf etwas sanftere Art kennengelernt. Vielleicht sollte ich ab jetzt zu den Mädels auf’s Boot wechseln 😉

Am nächsten Tag soll es dann um 9:00 Uhr Morgen mit der Theorie weitergehen. Es bleibt spannend….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.